Test: XB12R

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Detlev
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Test: XB12R

Beitragvon Detlev » Do 24.06.2004 23:48

Letztes Wochenende war das 5. Midsummermeeting der deutschen Buellgemeinde bei Hamburg.
Ich wurde vom Veranstalter gebeten, eine Ausfahrt mit einer Gruppe Buellfahrer durch Schleswig-Holstein zu führen. Da habe ich gerne zugesagt, weil es immer wieder Spaß macht, mit diesen "Gaskranken" durch die Botanik zu düsen!
Einige Zeit vor dem Treffen erreichte mich ein Anruf von Stefan von Harley-Davidson Kiel:
"Ich habe gehört, daß Du einen Ausfahrt anführen sollst?!?"
Ich: "Ja, das stimmt!"
Stefan:" Aber dch nicht mit Deiner BMW???"
Ich:" Doch, wieso?"
Stefan:" Das geht doch nicht, Du bekommst von uns eine Buell!"
Ich, nach kurzer Pause: "Oh, ja, gute Idee!"

Am letzten Freitag bin ich dann nach Kiel gefahren und habe dort eine funkelniegelnagelneue XB12R in Empfang genommen und habe diese dann übers Wochenende sorgfältig eingefahren.
Zunächstmal mußte ich meine langen Gräten auf dem winzigen Motorrad verteilen und den Lenker da unten erreichen. Oooops, war ich immer schon so unsportlich?
Nagut, irgendwie wirds schon gehen, Anlasserknopf gedrückt, und bemerkenswert schüttelnd setzt sich der 1200ccm Langhuber in Bewegung!
Irgendwelche Rappelgeräusche von unten hören sich nicht sehr vertrauenerweckend an, abr, da daß alles neu ist, wird das schon in Ordnung sein.
Ersten Gang rein und los (ohje, hoffentlich bekomme ich keinen Krampf im Bein, dieser Kniewinkel, können die nicht die Fußrasten weiter nach hinten bauen?), die Gänge lassen sich sauber durchschalten. Ich drehe den neuen Motor nicht über 4000 1/min und trotzdem werde ich nachdrücklich nach vorne katapultiert.
Das Drehmoment dieses Motors ist ne Wucht! :D
Und der Klang, der aus dem Serienauspuff beim Beschleunigen an mein Ohr dringt (oder ist das das Ansauggeräusch aus der Airbox vor meinem Bauch?) ist betörend. GEIL! Erstmal auf die Autobahn, denn ich soll erstmal nach Hamburg. Ohne viel Gas (neuer Motor) rolle ich mit 3500 Umdrehungen bei ca 130km/h Richtung Süden.
Nach ca 15km kommt mit einem mal die Motorwarnleuchte!!! Was nun los?
Also Motor ausmachen und auf dem Standstreifen ausrollen lassen.
Nachsehen was los ist, Benzin ist im Rahmen, genug Öl in der Schwinge, und die Kiste stinkt nach verbrannten Konservierungsölen. Hmmm, also nochmal Zündung an, starten und los. Danach ist die Kontrolleuchte nicht wieder angegangen, weiß der Geier, was da los war.
Die 100km nach HH durch den Freitagnachmittagverkehr waren eher gemütlich, so man davon bei dieser Sitzposition reden kann. Endlich von der Autobahn runter und die letzten Kilometer zu Treffpunkt auf der Landstraße gesurft. So langsam gewöhne ich mich an das Gerät!
Großes HALLOH auf dem Platz: "Na, endlich wieder ein vernünftiges Motorrad?" Vernünftig ist anders, aber Spaß machts!
Abends vor Sonnenuntergang noch 100km nach hause, diesmal ohne viel Autobahn, sondern schön über Land. Das macht Spaß.
Allmählich gewöne ich mich an das extreme Fahrwerk, der Radstand ist sehr kurz, der Lenkkopf steht sehr steil und trotzdem fährt das Teil bockstabil! Kaum zu glauben. Und braucht auch relativ viel Kraft, um in die Kurven gebracht zu werden. Bei niedrigen Drehzahlen weniger als bei hohen, aha, das müssen die Kreiselkräfte der schweren Harley-Kurbelwelle sein!
Das starke Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage, wie ich es seinerzeit bei der XB9R als sehr störend empfunden hatte, fällt bei dieser Maschine nicht so sehr auf. Scheint also doch sehr vom Reifen abhängig zu sein, die XB9 hatte D207, die XB12 D208 drauf.
Um die Schräglagenfreiheit brauche ICH mir keine Gedanken zu machen, die scheint gegen "unendlich" zu gehen und so schräge will ich nicht! :shock:
Die vordere Bremse ist gut dosierbar, erfordert allerdings erheblich mehr Handkraft als die ABS3-Bremse meiner BMW. Dafür kann man tolle Stoppies machen, was mit der BMW garnicht geht. Die hintere Bremse ist, na sagen wir mal, vorhanden.

Samstag früh, die Sonne scheint, ab nach Hamburg. Nachdem ich eine nacht drüber geschlafen habe, paßt mir das Motorrad irgendwie besser, als am Vortag. Flott gehts über die Landstraßen nach Süden. Mittlererweile schon 300km auf dem Tacho, kann ich es nun schon etwas flotter angehen. Ein echtes Spaßmobil, die XB12R! Tanken mußte ich zwischendurch auch schonmal, 14 Liter sollen in den Rahmen reinpassen, die Lampe leuchtet nach ca 10 Litern schon auf. 10,5 Liter auf 200km Verbrauch ist ok. Die BMW verbraucht ca einen Liter auf 100km bei gleicher Fahrweise mehr.

Mittags gehts auf die Ausfahrt, mit 12 Buells im Schlepptau mache ich mich auf dem Weg via Altes Land und Elbfähre Glückstadt-Wischhafen rüber nach Schläfrig-Holzbein. Zwischendurch gibts ein én Regenschauer mit Hagel und allen Komfort. Igitt! Ich rücke zwecks besserem Knieschluß an die Tankatrappe und konzentriere mich auf das Bremsen. Das ABS vermisse ich jetzt sehr! :shock: Nicht, daß ich es gebraucht hätte, aber es beruhigt doch kollossal!
Auf der Fähre sind wir mit unseren Exoten die Showeinlage für die anderen Fahrgäste. 1001 Fragen müssen wir beantworten.
In S-H scheint die Sonne und es geht mit verschärftem Tempo durch die Kurven entlang der Stör. Was für eine tolle Strecke. Wie gemacht, für dieses Kurventier. Am Abend sind wir wieder auf dem Platz, 270km Spaß gehabt.
Nun wird Benzin geredet, ca 180 Buellfahrer haben sich auf dem Platz versammelt und die Stimmung ist riesig.
Leider muß ich in der Nacht wieder nach Hause, und so fahre ich gegen 0 Uhr 30 vom Platz. Das Licht, im aktuellen MO-Testbericht als sehr gut gepriesen, ist eine lächerliche Funzel. Der (DE) Abblendscheinwerfer wirft den Schein überall hin, leider nicht nur auf die Straße. Auch die Bäume über mir in den Walddurchfahreten sind gut beleuchtet. Bei Nebel dürfte das ein Blindflug sein! :(
Naja, das Fernlicht wird bei Bedarf dazugeschaltet und erhellt auch nicht sehr die Straße.

Am nächsten Tag muß ich das Motorrad nach Kiel zurückbringen, mittlererweile gut 700km auf der Uhr, kann ich jetzt auch schonmal die Gänge ausdrehen. Der Motor drückt ab ca 2500 1/min mit fast 115nm und schiebt gnadenlos bis 6500 Umdrehungen, mehr darf er nicht. Langhuber halt. Man bedenke, daß die Koben doch rund 100mm auf- und abgehen!
Daß der Motor 101 PS hat, ist absolut nebensächlich, das Drehmoment zählt bei diesem Gerät.

Drehzahl? Brauchts nicht!
Leistung? Wofür!
Drehmoment? Ohjaaaaa!

Ein tolles Motorrad mit einem hohen Spaßfaktor und geringer Alltagstauglichkeit, das richtige Spaßteil für die schnelle Runde nach Feierabend. Als Zweitmoped der HIT!

Vielen Dank an HD-Kiel (Stefan) und Buell-Deutschland in Mörfelden (Arnd Dickel), die mir dieses tolle Wochenende ermöglicht haben.
Gruß,
Detlev

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Beitragvon Mario » Fr 25.06.2004 08:27

Und Detlev ... haste bestellt? :nixw: :mrgreen:

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Beitragvon Detlev » Fr 25.06.2004 13:13

Bin ich Krösus???
Gruß,

Detlev


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